Das Haus ist gebaut, jetzt fehlt nur noch ein schöner Garten ohne viel Pflegeaufwand. Lange im Trend, lange in der Kritik: Schottergärten. Sie versprechen einen pflegeleichten Garten. Na dann: Schotter bestellt, Folie gelegt, ein paar Pflanzen rein, Schotter drauf, fertig. Wo ist das Problem?
Es sind Gärten des Grauens.
Der Boden wird durch Folie und Schotter versiegelt, die Fläche fällt als Nahrungsquelle für Klein- und Kleinstlebewesen aus. Schottergärten wirken sich also negativ auf Bodenlebewesen aus. Unter Folien wandert von der Milbe bis zum Springschwanz ein fleißiges Völkchen ab oder verhungert. Die Folge? Ohne dessen unermüdliche Arbeit - dem Abbau abgestorbener Pflanzenteile zu Humus - fehlen die daraus freigesetzten Nährstoffe für das oberirdische Pflanzenwachstum. Im Klartext heißt das: ohne Bodenleben kein Pflanzenleben.
Darüber hinaus verliert der Boden durch die Versiegelung seine natürliche Schwammfunktion. Mit zunehmend zu erwartenden Starkregenereignissen wird diese Fähigkeit immer wichtiger. Durch die Folie kann der Boden kein Wasser aufnehmen. Statt ins Grundwasser gelangt es in die Vorfluter. Weiterhin heizen sich alle Kiesel, egal welcher Farbe, bei hohen Tagestemperaturen auf und geben die gespeicherte Wärme abends ab. Ihrer natürlichen Klimaschutzfunktion beraubt, kühlen die Böden am Abend weniger ab - wir gestalten Wüsten.
Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) fasst es so zusammen: „Der Boden ist eines der komplexesten aller Ökosysteme. Er ist ein eigenständiger Lebensraum, in dem eine unglaubliche Vielfalt von Organismen lebt. Für den natürlichen Klimaschutz sind Böden von besonderer Bedeutung, denn weltweit speichern sie in den oberen zwei Metern viermal so viel Kohlenstoff wie die oberirdische Vegetation und mehr als doppelt so viel, als die Atmosphäre enthält.“
Auf lange Sicht ist der Trend zum Schottergarten nicht gut durchdacht, denn dieser ist keinesfalls einfach und pflegeleicht - entfernt man nicht jedes Blatt und jedes Bodenteilchen vom Schotter, verrotten diese und auf dem entstehenden Humus keimen die herangewehten Wildkräuter- und Grassamen. Wer seine Fläche hübsch ordentlich halten möchte, sieht sich mit einer zeitintensiven Reinigung der Kiesel konfrontiert, greift vielleicht zu chemischen Mitteln und verschwendet dabei Wasser oder vergiftet es schlimmstenfalls.
Mittlerweile wissen viele, dass das Anlegen von Schottergärten rechtswidrig ist und fatale Auswirkungen für die Umwelt hat. Die Niedersächsische Bauordnung ist in § 9 (2) auch sehr deutlich „Die nicht überbauten Flächen der Baugrundstücke müssen Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind.“ Das Wort „müssen“ gibt da keinen Spielraum, und „andere zulässige Nutzungen“ sind beispielsweise die Einfahrt und Stellflächen für Autos und Fahrräder oder für Mülltonnen und Gartenhaus. Bauaufsichtsbehörden dürfen deshalb die Beseitigung von Schottergärten anordnen. Dies hat das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg am 17. Januar 2023 klargestellt. Und warum gibt es diese Gärten des Grauens dann noch?
Ja, der Rückbau kann ins Geld gehen - Kiesel und Folie müssen entsorgt werden, der Boden braucht eine Humusversorgung und die Fläche eine Neugestaltung.
Je nachdem, mit wie viel Bodenanteil wir den Schotter ausbauen können, nimmt z. B. die Luhmühlener Mulden- und Containerdienst GmbH in Putensen für 1 Tonne zwischen 26,50 Euro/netto für Bauschutt ohne Bodenanteil und 44,00 Euro/netto mit Bodenanteil bei Anlieferung. Aber nicht jede/r kann selber anliefern. Vielleicht kann der Landwirt Ihres Vertrauens in arbeitsspitzenfreien Zeiten unterstützen. Eine Lösung eröffnet sich immer - wenn wir es wollen.
Verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger bauen Schottergärten zügig zurück, um der Natur ihre Flächen zurückzugeben. Sie dankt es uns mit mehr Insektenarten, mehr Boden- und Pflanzenleben, mehr Abkühlung am Abend, weniger Belastung der Regenwasserkanäle und mit aufgefülltem Grundwasser.
Cornelia Schoen-Düngefeld